Bandscheibenoperation der Halswirbelsäule Stabilisierung ohne Erhalten der Bewegung
Indikation
Für eine Stabilisierung der Halswirbelsäule ohne die Beweglichkeit zu erhalten gibt es zwei wesentliche Gründe: Instabilität oder fortgeschrittene Verschleißveränderungen. Eine Instabilität besteht bei Verletzung der knöchernen Wirbelstrukturen und/oder des Bandapparates, zum Beispiel bei Unfällen mit Schleudertrauma (Bild 1). Beim verschleißbedingten Bandscheibenvorfall kommt es normalerweise nicht zu einer Instabilität. Es gibt dabei aber häufig fortgeschrittene Verschleißveränderungen, zum Beispiel in Form von Arthrose der Wirbelgelenke oder knöchernen Anbauten der Wirbelkörperkanten und dadurch bedingte Einengung des Wirbelkanals (Bild 2) oder der Nervenkanäle, bei denen der Einsatz einer Prothese nicht geeignet ist.
In solchen Fällen hat es sich bewährt, das betroffene Bewegungssegment mit einem Platzhalter (Cage) operativ zu stabilisieren. Dabei wird zunächst die beschädigte Bandscheibe entfernt, dann werden gegebenenfalls vorhandene Knochensporne abgetragen, bis das Rückenmark und die Nervenabgänge vollständig entlastet sind. Dann wird der Zwischenwirbelraum etwas aufgespreizt, bis wieder eine natürliche und funktionsgerechte Stellung erreicht ist (intraoperative Röntgenkontrolle). In dieser Position wird ein passendes Implantat eingebracht, das es in ganz verschiedenen Formen und Materialien gibt.
Allen gemeinsam ist das Ziel, das operierte Segment so lange stabil in der gewünschten Position zu halten, bis eine solide knöcherne Durchbauung erfolgt ist. Das ist – abhängig von der Knochenqualität und dem Alter der Patienten - nach 3-9 Monaten der Fall. Das Prinzip dabei ist, Einengung und Druck auf Rückenmark und Nervenwurzeln zu beseitigen, die volle Belastungsstabilität wiederherzustellen und die Schmerzen zu beseitigen, die durch die Bewegung in den arthrotischen veränderten Gelenken entsteht. Das in den 1950-er Jahren entwickelte Verfahren erbringt hervorragende Ergebnisse und wird daher bei entsprechender Indikation auch heute noch vielfach eingesetzt.
Beispiele zweier HWS-Cages; Links mit Hydroxylapatit (HA) beschichtet, um rasches Anwachsen am Knochen zu unterstützen; rechts aus Titan mit Bienenwabenstruktur, um das Knochanwachstum durch die Öffnungen zu erreichen.
Bild 1: Instabilität durch Luxation HWK5/6
Bild 2: Einengung des Wirbelkanals durch Knochen und Bandscheibe
Beispiele zweier HWS-Cages; Links mit Hydroxylapatit (HA) beschichtet, um rasches Anwachsen am Knochen zu unterstützen; rechts aus Titan mit Bienenwabenstruktur, um Knochenwachstum durch die Öffnungen zu fördern (Bild 3).
Röntgenbild eines Titancages unmittelbar nach Operation (Bild 4) und Computertomografie nach 1 Jahr (Bild 5). Es ist zu erkennen, dass sich im und um das Implantat Knochen gebildet hat, der die beiden Wirbel fest miteinander verbindet.
Wichtige Frage: Wieviel Beweglichkeit geht durch eine solche "Versteifung" verloren?
Antwort: Erstaunlich wenig! Grund: ca. 80% der seitlichen Drehbewegungen des Kopfes geschieht zwischen 1. und 2. Halswirbel (Atlantoaxialgelenk: 60°-80°); das Gelenk zwischen Hinterhaupt und 1. Halswirbel (Atlantookzipitalgelenk) ermöglicht das Vor- und Zurückneigen (Flexion-Extension) um 35°-40°. Für die übrigen 5 Halswirbel (C3 - C7) verbleiben für die Seitdrehung 40-50° und für das Vor- und Rückneigen 55°-75°. Das bedeutet pro Bandscheibe 8°-10° Seitdrehen und 9°-15° Flexion-Extension.
Außerdem kompensieren die einem versteiften Segment benachbarten Bandscheiben teilweise den Bewegungsverlust, so dass letztlich nur eine sehr geringe Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule resultiert: 5-10% der ursprünglichen Beweglichkeit.
Nachteil: Die Mehrbelastung der Nachbarbandscheiben kann im ungünstigen Fall deren Verschleiß fördern (Adjacent Segment Degeneration ASD = Angrenzende Segmentdegeneration).
Bild 3: HWS-Cages
Bild 5
